Eine Initiative der
Suizidprophylaxe

Suizide in Deutschland 2012

Vorbemerkung

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes, welche jährlich aktualisiert wird.

Die Angaben beruhen auf der Auswertung der Todesbescheinigungen. Die Todesursachen werden in den Bundesländern für die dort gemeldeten Einwohner dokumentiert und einmal im Jahr an das Statistische Bundesamt gemeldet.

Die Anzahl der Suizide und die jeweilige Suizidziffer sind immer das Ergebnis sehr unterschiedlicher und gegenläufiger oder sich aufhebender Gegebenheiten.

Einfluss auf die Suizidhäufigkeit haben u.a.:

  • Der Zustand und die Entwicklung der medizinischen Versorgung.
  • Die demographische Entwicklung.
  • Sozioökonomische Entwicklungen.
  • Regionale Besonderheiten.
  • Die Berichterstattung in den Medien.
  • Die Verfügbarkeit und die Bekanntheit von Suizidmethoden.
  • Die Form und Zuverlässlichkeit der Ausstellung der Todesbescheinigungen.
  • Suizidpräventive Initiativen.
  • ...

Vor diesem Hintergrund verbieten sich eine vorschnelle Interpretationen der vorliegenden Daten. Diese ist erst nach einer genaueren wissenschaftlichen Analyse möglich.

 

Dimension der Suizidproblematik *

  • 9.890 Menschen starben in Deutschland im Jahr 2012 durch Suizid.
  • Weit über 100.000 Menschen begingen im Jahr 2012 einen Suizidversuch.
  • Weit über 60.000 Menschen verloren im Jahr 2012 einen ihnen nahestehenden Menschen durch Suizid. Nicht selten benötigen auch sie Unterstützung (nach Angabe der WHO sind von einem Suizid im Durchschnitt mindestens sechs nahe stehende Menschen betroffen). 
  • Das bedeutet:
  • Alle 53 Minuten nimmt sich ein Mensch selbst das Leben.
  • Alle 5 Minuten findet ein Suizidversuch statt.
  • In den letzten 10 Jahren starben mehr als 110.000 Menschen durch Suizid.
  • In den letzten 10 Jahren gab es in Deutschland weit über 1 Million Suizidversuche.
  • In den letzten 10 Jahren sind in Deutschland zwischen 500.000 und 1 Million. Menschen von dem Suizid eines ihm nahe stehenden Menschen betroffen
  • Alle 9 Minuten verliert in Deutschland jemand einen nahestehenden Menschen durch Suizid.

In Deutschland sterben deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen.

Todesursachen 2012

 

 

Entwicklung der Suizidzahlen

Die Anzahl der Suizide in Deutschland ist seit Beginn der 80er Jahre gesunken und stieg seit dem Jahre 2008 wieder an. Im Jahre 2012 sank die Anzahl der Suizide insgesamt wieder unter 10.000 auf 9.890. Die Anzahl der Suizide nahm bei den Männern um 359 auf 7.287 ab und stieg bei den Frauen um 105 auf 2.603.


Die Entwicklung der Suizide in Deutschland erschließt sich sich genauer in der Suizidziffer, d.h. der Anzahl der Suizide pro 100.000 Einwohner. Die Suizidziffer ist von 12,4 (2011) auf 12,1 (2012) leicht gefallen (Männer: 18,1, Frauen: 6,3).
Die Suizidziffer ist immer ein Ergebnis vieler -auch gegenläufiger und sich aufhebender- Entwicklungen.


 

Suizidzahlen der Bundesländer

Es gibt große Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Sachsen-Anhalt (+1,9) und Thüringen (+0,9) ist die Suizidziffer am stärksten gestiegen, in Hessen (-1,1) und Rheinland-Pfalz (-1,0) am deutlichsten zurückgegangen. Im Jahr 2012 hatten Sachsen (15,6) und Sachsen-Anhalt (15,5) die höchste Suizidziffer und Berlin (9,4) und Nordrhein-Westphalen (9,7) die Niedrigste. Sachsen-Anhalt hat die höchste Suizidrate bei Männern (25,3) und Sachsen und Bremen höchste Suizidrate bei Frauen (8,9).

 

In Bremen (+5.3) und Hessen (+1,9) ist die Suizidziffer am stärksten gestiegen, in Mecklenburg Vorpommern (-1,7) und Brandenburg (-0,9) am deutlichsten zurückgegangen. Im Jahr 2011 hatten Bremen (16,2) und Sachsen (16,0) die höchsten Suizidziffer und Nordrhein-Westfalen (10,0) und Berlin (10,1) die niedrigsten. Bremen hat die höchste Suizidrate bei Männern (25,8) und Hamburg - wie schon seit Jahren - die mit Abstand höchste Suizidrate bei Frauen (8,5).

 

Der Suizid ist in Deutschland ein Phänomen des höheren Lebensalters

Im Jahre 2012 betrug das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid verstorbenen Menschen 56,9 Jahre. Das durchschnittliche Sterbealter steigt, 1998 lag es noch bei 53,2 Lebensjahren. Besonders bei Männern stieg es von 51,6 (1998) auf 56,1 Lebensjahre (2012). Bei Frauen stieg es im gleichen Zeitraum von 57,6 auf 59,0 Lebensjahre.

 

 

In Deutschland steigt die Suizidziffer, bzw. das Suizidrisiko, mit dem Lebensalter (das sog. „Ungarische Muster“). In allen Altersgruppen begehen Männer deutlich mehr vollendete Suizide als Frauen. Beträgt die Suizidziffer 2012 bei 20 bis 25jährigen Männern noch 11,9 (Frauen 3,2) steigt sie bei den 85 bis 90jährigen Männern auf 73,2 (Frauen 15,1).

 

Die Anzahl der Suizide von Männern übersteigt in allen Altersgruppen die Suizidhäufigkeit von Frauen deutlich. Betrachtet man die Anzahl der Suizide  in den jeweiligen Altersgruppen genauer, tritt hervor, das fast jede zweite Frau (47,2%), die sich im Jahre 2012 das Leben nahm, älter als 60 Jahre war. Dagegen sind 45,5% der durch Suizid verstorbenen Männer zwischen 40 und 65 Jahre alt.

 

 

Suizidmethoden

Bei den Suizidmethoden dominierte 2012 das Erhängen (4.446) deutlich.  Es folgen mit 1.323 Fällen Medikamente, der Sturz aus der Höhe (996), das „Legen vor ein sich bewegendes Objekt“ (718), Schusswaffen (690, fast nur Männer), und „Gase“ (424).

 

Auffällig ist die deutliche Zunahme von Fällen der Selbsttötung durch „Legen vor ein sich bewegendes Objekt“ ab dem Jahr 2009 sowie Fälle der Selbsttötung durch Gase von ab dem Jahre 2010.


Insgesamt ist der Anteil der jeweiligen Suizidmethoden an der Gesamtzahl der Suizide in den letzten 10 Jahren relativ stabil, wobei über die Jahre eine langsamer Rückgang des Erhängens als Suizidmethode und eine tendenzielle Zunahme der Selbsttötungen durch Medikamente und aktuell durch Gase zu verzeichnen ist.



Die Angaben über vollendete Suizide beruhen auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 12. Dezember 2013. Da Daten zu den Suizidversuchen nicht systematisch erhoben werden, sind die Angaben Schätzungen auf Basis der Ergebnisse in kleineren Erhebungsgebieten im Rahmen der Studie „Monitoring Suicidal Behaviour in Europe“  (publiziert in Schmidtke et al. 2001, 2004). Die Angabe von 6 betroffenen Angehörigen durch einen Suizid beruht ursprünglich auf einer Behauptung von Shneidman (1973) und tradierte sich als Schätzung bis hinein in WHO-Publikationen. Eine erste Überprüfung von Berman (2011) ergab, dass die Schätzung den Kreis sehr nahestehenden Betroffenen relativ gut erfasste, dass aber durchaus darüber hinaus noch weitere Menschen betroffen sind. Weitergehende Berechnungen durch G. Fiedler.

 

Sie können die Daten als Präsentation herunterladen ( 4.9 MB ! )

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