Eine Initiative der
Suizidprophylaxe

Suizide in Deutschland 2013

Vorbemerkung

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes, welche jährlich aktualisiert wird.

Die Angaben beruhen auf der Auswertung der Todesbescheinigungen. Die Todesursachen werden in den Bundesländern für die dort gemeldeten Einwohner dokumentiert und einmal im Jahr an das Statistische Bundesamt gemeldet.

Die Anzahl der Suizide und die jeweilige Suizidziffer sind immer das Ergebnis sehr unterschiedlicher und gegenläufiger oder sich aufhebender Gegebenheiten.

Einfluss auf die Suizidhäufigkeit haben u.a.:

  • Der Zustand und die Entwicklung der medizinischen Versorgung.
  • Die demographische Entwicklung.
  • Sozioökonomische Entwicklungen.
  • Regionale Besonderheiten.
  • Die Berichterstattung in den Medien.
  • Die Verfügbarkeit und die Bekanntheit von Suizidmethoden.
  • Die Form und Zuverlässlichkeit der Ausstellung der Todesbescheinigungen.
  • Suizidpräventive Initiativen.
  • ...

Vor diesem Hintergrund verbietet sich eine vorschnelle Interpretationen der vorliegenden Daten. Diese ist erst nach einer genaueren wissenschaftlichen Analyse möglich.

Beispiele für Faktoren, die sich positv oder negativ auf die Suizidraten auswirken können.
G. Fiedler 2014 (siehe auch ⇒ WHO - Preventing suicide: A global imperative - 2014

 


Dimension der Suizidproblematik *

  • 10.076 Menschen starben in Deutschland im Jahr 2013 durch Suizid. *
  • Weit über 100.000 Menschen begingen im Jahr 2013 einen Suizidversuch. *
  • Weit über 60.000 Menschen verloren im Jahr 2013 einen ihnen nahestehenden Menschen durch Suizid. Nicht selten benötigen auch sie Unterstützung (nach Angabe der WHO sind von einem Suizid im Durchschnitt mindestens sechs nahe stehende Menschen betroffen). *

Das bedeutet *:

  • Alle 52 Minuten nimmt sich ein Mensch selbst das Leben.
  • Alle 5 Minuten findet ein Suizidversuch statt.
  • In den letzten 10 Jahren starben mehr als 110.000 Menschen durch Suizid. •  In den letzten 10 Jahren gab es in Deutschland weit über 1 Million Suizidversuche.
  • In den letzten 10 Jahren sind in Deutschland zwischen 500.000 und 1 Million.
  • Menschen von dem Suizid eines ihm nahe stehenden Menschen betroffen
  • Alle 9 Minuten verliert in Deutschland jemand einen nahe stehenden Menschen durch Suizid.

In Deutschland sterben deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen.


Todesursachen 2013

Pressemitteilung vom 04.03.2015  -  ** Pressemitteilung vom 2. Juli 2014 – 238/14 -
*** Epidemiologische Kurzinformation des Robert Koch-Instituts Stand: Ende 2013 -

 

 

Entwicklung der Suizidzahlen

Die Anzahl der Suizide in Deutschland ist seit Beginn der 80er Jahre gesunken und stieg seit dem Jahre 2008 wieder an. Im Jahre 2013 stieg die Anzahl der Suizide insgesamt wieder um 186 Fälle auf 9.890. Die Anzahl der Suizide nahm bei den Männern um 162 auf 7.449 zu und stieg bei den Frauen um 24 auf 2.627


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

Die Entwicklung der Suizide in Deutschland erschließt sich sich genauer in der Suizidziffer, d.h. der Anzahl der Suizide pro 100.000 Einwohner. Die Suizidziffer ist von 12,1 (2012) auf 12,5 (2013) leicht gestiegen und beträgt nun bei den Männern 18,9 und den Frauen: 6,4.


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015 

  • Die Suizidrate oder Suizidziffer ist die Berechnung der Anzahl der Verstorbenen bezogen auf 100.000 Lebende der jeweiligen Gruppe. Auf diese Weise werden auch unterschiedliche Gruppen vergleichbar.
  • Weitere Standardisierungen (z.B. Altersstandardisierte Daten) werden in den folgenden Darstellungen nicht verwendet



Suizidzahlen der Bundesländer

Es gibt große Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Bremen, Brandenburg und im Saarland ist die Suizidziffer am stärksten gestiegen (+1,2), während sie nur in Thüringen (-1,7) und Hamburg (-0,5) zurück- gegangen ist. Im Jahr 2013 hatten Sachsen-Anhalt (16,6) und Sachsen (16,3) die höchste Suizidziffer und Berlin (10,2) und Nordrhein-Westphalen (9,8) die Niedrigste. Sachsen-Anhalt hat die höchste Suizidrate bei Männern (26,9) und Hamburg die höchste Suizidrate bei Frauen (8,0).

 

 

Der Suizid ist in Deutschland ein Phänomen des höheren Lebensalters

Der Suizid wird zunehmend ein Phänomen des höheren Lebensalters. Im Jahre 2013 betrug das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid verstorbenen Menschen 57,4 Jahre. Das durchschnittliche Sterbealter steigt, 1998 lag es noch bei 53,2 Lebensjahren. Besonders bei Männern stieg es von 51,6 (1998) auf 56,7 Lebensjahre (2012). Bei Frauen stieg es im gleichen Zeitraum von 57,6 auf 59,4 Lebensjahre. 


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

In Deutschland steigt die Suizidziffer, bzw. das Suizidrisiko, mit dem Lebensalter (das sog. „Ungarische Muster“). In allen Altersgruppen begehen Männer deutlich mehr vollendete Suizide als Frauen. Beträgt die Suizidziffer 2013 bei 20 bis 25jährigen Männern noch 11,3 (Frauen 2,8) steigt sie bei den 85 bis 90jährigen Männern auf 89,7 (Frauen 17,4).


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

Die absolute Anzahl der Suizide von Männern übersteigt in allen Altersgruppen die Suizidhäufigkeit von Frauen deutlich


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

 

Suizidmethoden

Bei den Suizidmethoden dominierte 2013 das Erhängen (4.580) deutlich.  Es folgen mit 1.385 Fällen Medikamente (häufiger Frauen), der Sturz aus der Höhe (915), Schusswaffen (795, fast nur Männer), das „Legen vor ein sich bewegendes Objekt“ (669) und „Gase“ (385).


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

Auffällig ist die deutliche Zunahme von Fällen der Selbsttötung durch „Legen vor ein sich bewegendes Objekt“ ab dem Jahr 2009 sowie Fälle der Selbsttötung durch Gase von ab dem Jahre 2010. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Verwendung von Schusswaffen in 2013 wieder deutlich an.


Quelle: Statistische Bundesamt • Gesundheitsberichterstattung des Bundes • www.gbe-bund.de • Datenblätter vom 03.03.2015 • Darstellung und Berechnungen: Georg Fiedler, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 2015

 

Insgesamt ist der Anteil der jeweiligen Suizidmethoden an der Gesamtzahl der Suizide in den letzten 15 Jahren relativ stabil, wobei über den Zeitraum eine langsamer Rückgang des Erhängens als Suizidmethode und eine tendenzielle Zunahme der Selbsttötungen durch Medikamente und aktuell durch Gase zu verzeichnen ist.



Die Angaben über vollendete Suizide beruhen auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 12. Dezember 2013. Da Daten zu den Suizidversuchen nicht systematisch erhoben werden, sind die Angaben Schätzungen auf Basis der Ergebnisse in kleineren Erhebungsgebieten im Rahmen der Studie „Monitoring Suicidal Behaviour in Europe“  (publiziert in Schmidtke et al. 2001, 2004). Die Angabe von 6 betroffenen Angehörigen durch einen Suizid beruht ursprünglich auf einer Behauptung von Shneidman (1973) und tradierte sich als Schätzung bis hinein in WHO-Publikationen. Eine erste Überprüfung von Berman (2011) ergab, dass die Schätzung den Kreis sehr nahestehenden Betroffenen relativ gut erfasste, dass aber durchaus darüber hinaus noch weitere Menschen betroffen sind. Weitergehende Berechnungen durch G. Fiedler.

 

Sie können die Daten als Präsentation herunterladen ( 6.3 MB ! )

 

 

 

G. Fiedler 2015

 

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